Enneagramm Typ 8
Der Archetyp des Kriegers

Der Weg der Unschuld

Das Leben ist Kampf und nur die Stärksten überleben – und ich gehöre zu den Stärksten! So könnte man die Lebensphilosphie des Typs ACHT im Enneagramm beschreiben.

Angetrieben wird die ACHT durch Rachsucht. ACHTER berichten von einer harten, oft gewalttätigen Kindheit. Die fortgesetzten Erfahrungen von Ungerechtigkeiten und harten Bestrafungen haben im ACHTER-Geist die Überzeugung reifen lassen, daß es Liebe auf dieser Welt nicht gibt. Und da es keine Liebe gibt, hole ich einfach das Beste aus dem Leben heraus, was ich kriegen kann – mehr, mehr, alles zu mir! Jedem das seine und mir das meiste – und nach mir die Sintflut. Eine ACHT hat man nur ungern als Feind.

Punkt ACHT spiegelt für jeden die Tendenz, sich auf bewußte oder unbewußte Weise am Leben zu rächen, nicht nur durch aktive Gewalt, sondern auch durch Widerstand, Rückzug oder andere Formen von Destruktivität.

Der heilige Weg an Punkt ACHT wird Unschuld genannt. Unschuld zeigt sich in der direkten und gradlinigen Art des Kriegers (dem Archetyp der ACHT). Er nimmt im positiven Sinne kein Blatt vor den Mund und geht seinen Weg. Unschuld bedeutet aber auch, keine vorgefaßten Meinungen zu haben und jeden Moment immer wieder neu zu erleben. Unschuld liegt in der Erkenntnis, dass ich in meiner Geschichte zwar Leid und Ungerechtigkeiten erfahren habe, daß mir das aber nicht das Recht gibt, mich dafür am Leben zu rächen – in welcher Form auch immer. In Unschuld schließe ich Frieden mit der Vergangenheit, mit meinem Nächsten, mit der Welt – letztlich schließe ich Frieden mit mir selbst.

„Die Unschuld ist das Tor,
durch das sich das „Ich“ auflöst.
Dein Wesen ist immer unschuldig.“

OM C. Parkin

Wahre und falsche Autorität

An Punkt 8 zeigt such die Autorität von männlicher Kraft in ihrer reinsten Form. Es ist der Krieger, der wild ist, der Anführer sein kann, der aber auch folgen kann. Kampf ist kein Mittel zum Zweck, sondern eine Begegnung zweier würdiger Gegner, die sich gegenseitig mit Respekt behandeln. Auf der Schattenseite begegnen wir hier dem offensichtlichen Mißbrauch von Kraft und Stärke für Dominanz und Herrschsucht. Hier finden wir einfach gestrickte Weltbilder, die von Rachsucht angetrieben werden, wo jede Gewalt gegen meinen Gegner als Reaktion hingestellt wird auf Gewalt, die er an mir begangen haben soll.

Begegnung mit Liebe

Wo sich bereits in der SIEBEN diese starke Ichbezogenheit von „mein Spaß“ und „meine Freude“ gezeigt hat, so finden wir an Punkt ACHT ungebremsten Egoismus, der sich nicht um das kümmert, was andere wollen oder von ihm halten. Im Schatten des Krieger-Archetypen liegt eine missbrauchtreibende, gewalttätige Persönlichkeit, für die Liebe im Grunde nicht existiert, und die deshalb das beste und das meiste aus dem Leben herausholen will, was sie kriegen kann. Liebe wird als zartes, schwächliches Gefühl gesehen, dem man mit Härte und offener Dominanz begegnen muß. Hier finden wir unser Machtanspruch über den Partner. Der, der mit mir zusammen ist, ist mein Besitz. Er gehört mir und ich kann über ihn verfügen – und wehe, jemand will mir meinen Besitz wegnehmen. Punkt ACHT zeigt auch unsere Vorstellung, dass der Partner dafür da ist, unsere Bedürfnisse zu befriedigen, nicht nur sexuell. Auf der Lichtseite bringt die ACHT Facetten der Liebe ins Spiel, die wir oft nicht als Liebe erkennen: Gradlinigkeit, Direktheit, Unverblümtheit. Eine ACHT sagt dir aus Liebe die Wahrheit, auch wenn es eine unangenehme Wahrheit ist. Eine ACHT zeigt, dass Streit und Kampf ein Teil der Liebe ist. Und auch, dass Liebe nicht moralisch ist und immer wieder über gesellschaftliche Konventionen und Grenzen hinübergehen kann und wird. Bin ich also bereit, den Menschen, die ich liebe, die Wahrheit zu sagen, auch wenn es weh tut? Andererseits: Bin ich bereit, meinen Besitzanspruch an den Partner aufzugeben? Bin ich bereit, Schwäche zuzulassen und von der Liebe besiegt zu werden? Bin ich bereit, auf Rache zu verzichten, selbst wenn mir Unrecht angetan wurde?

von Boris Fittkau

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