Enneagramm Typ 7
– Der Archetyp des Narren

Der Weg der Nüchternheit

Die SIEBEN im Enneagramm ist das ewige Kind, das nicht erwachsen werden will und daran festhält, daß das Leben ein Spiel ist. Gierig nach Abwechslung springt die SIEBEN von einer Erfahrung zur nächsten. Sie verweilt bei einer Sache nicht lange genug, denn es wird ihr schnell langweilig. Neue Projekte, neue Aufgaben erscheinen reizvoller, als beständig bei einem zu bleiben.

Die SIEBEN gehört im Enneagramm zu den Angst-Fixierungen, obgleich man dies auf den ersten Blick überhaupt nicht vermuten würde. Wo die anderen Angst-Fixierungen (die SECHS und die FÜNF) tendenziell im Rückzug vom Leben sind und eher pessimistisch denken, ist die SIEBEN der sprichwörtliche Optimist. Die Angst der SIEBEN zeigt sich in der Angst davor, festgelegt zu werden und die eigene Freiheit zu verlieren.

Die SIEBEN spiegelt die Tendenz in uns, nicht erwachsen werden zu wollen und uns nicht dem Ernst des Lebens zu stellen. Wir wollen lieber spielen, wir wollen Spaß und leichte Unterhaltung – sei es im privaten Leben oder auf dem spirituellen Weg.

Erst wenn die SIEBEN innehält und sich in Nüchternheit dem Leben stellt, kann wirkliche Heilung im Innen geschehen. Nüchternheit bedeutet, die Suche nach den „Kicks“ aufzugeben. Abwechslung bringt die SIEBEN eher von sich selber weg. Sie muß lernen, lange genug bei einer Sache zu verweilen, um die tieferen inneren Früchte zu ernten, anstatt sich nur mit den Rosinen aus dem Kuchen zu beschäftigen. Nüchternheit nimmt das Leben in all seinen Facetten an – egal ob es Spaß macht, oder nicht.

„Nüchternheit ist die Mitte
zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig“

Platon

Wahre und falsche Autorität

An Punkt 7 finden wir die Autorität des heiligen Narren, der erkannt hat, daß die Welt ein Spiel ist. Es ist eine Autorität, die eben jede Autorität ad absurdum führt, eine Autorität die das Chaos gar nicht strukturieren will, sondern bereit ist, auf den Wellen des Chaos zu reiten und darin sogar noch ihren Spaß zu haben. „Kinder an die Macht“ nannte Grönemeyer einen diesbezüglichen Liedtitel und beschriebt diese Form von Autorität als „kindlich genial“. Die Schattenseite offenbart einen Mißbrauch von Autorität, der darin liegt, jegliche Autorität zu leugnen, ins besondere den Aspekt des Lebens, den man mit Erwachsenwerden beschreiben kann.

Begegnung mit Liebe

Liebe ist eine ernste Angelegenheit, das haben wir auf dieser Reise durchs Enneagramm inzwischen erkannt. Falsch 🙂 Grinst uns der heilige Narr an Punkt SIEBEN des Enneagramms ins Gesicht. Das Leben und die Liebe sind ein Spiel, sind Leela – eine göttliche Komödie, wo man früher oder später gar nicht anders kann, als lauthals über sich selber lachen zu müssen – besonders über unsere  Bemühungen, die Liebe endlich zu entdecken. Der heilige Narr bringt den Witz und den Humor in die Liebe, den Spaß und die Freude, die Leichtigkeit. Fehlt dieses Element, so wird es schwer, öde, langweilig, ohne Saft. Andererseits zeigt uns der Narr ein entscheidendes Missverständnis über die Liebe, nämlich unsere Vorstellung, dass sie immer Spaß und Freude machen muß. Im Schatten des Narren lauert das ewige Kind, dass nicht erwachsen werden will und das lernen muß, dass das Leben nicht nur aus Spielen und Naschen besteht. Liebe in Freiheit bedeutet eben nicht Freie Liebe, polygame Sexualität und wildes Ausleben all meiner Phantasien. Zumindest nicht für eine SIEBEN, die daraus schnell eine idealisierte Lebensphilosophie machen kann, die nach außen lebendig und spielerisch wirkt, in der Tiefe jedoch die Angst vor dem wirklichen Einlassen auf die Liebe verbirgt. Liebe kann sehr ernüchternd sein. Liebe kann durchaus scheinbar langweilige und vielleicht sogar schmerzhafte Arbeit sein. Bin ich dazu bereit? Bin ich bereit, mich ernüchtern zu lassen, wenn der Rausch der Verliebtheit vorbei geht? Oder hüpfe ich zur nächsten Blüte?

von Boris Fittkau

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